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Jeder spürt, wenn straff vorwärts gemanagt wird. Aber was genau macht den Unterschied?

Wir sagen: Disziplin und „Einsatz von Regeln“ spielen eine große Rolle und gehören durchaus in die Lieblingsriege der Führungsfähigkeiten (wie Ziele setzen, Delegieren, Feedback, Verantwortung, Zuhören, Visionen etc..). Besonders dann, wenn es darum geht, größere Teams zu „managen“.

Das Gute ist, Disziplin kann durchaus gerne angenehm und easy-going sein, insofern die Regeln klar und sinnvoll sind.

Es gibt diese 2 Arten von Regeln:

  1. Regeln, die man einhalten muss.
  2. Regeln, die man einhalten kann.

Das Problem besteht eigentlich nur in der Unterscheidung: Verschiedene Leute entscheiden unterschiedlich, welche Regel sie einhalten und welche nicht. Interessanterweise spielt dabei die Unternehmenskultur eine große Rolle. Im gleichen Bereich herrscht oft eine ähnliche Auffassung von der  Interpretierbarkeit von Regeln.

Und wie ist das in Ihrem Unternehmen?

  • Werden alle Sicherheitsvorschriften eingehalten, auch wenn sie unsinning erscheinen?
  • Reinigungsroutinen bei Schichtwechsel: Wird akribisch befolgt was im Detail festgelegt ist?
  • Wie steht’s um die Pünktlichkeit in Meetings (waren da Regeln an der Wand)?

Grundsätzlich treffen die meisten Menschen recht gute Entscheidungen, wenn sie gut informiert sind und ihren Verstand benutzen. Nicht selten werden so sogar bessere Ergebnisse erreicht als wenn man sich allgemein stumpf an schlechten Regeln orientiert.

Beispiel: In einem Werk dürfen nur ausgebildete Industriemechaniker Einstellungen an der Anlage vornehmen. Dann aber steht die wichtigste Linie in der Nachtschicht und die Mechaniker kommen erst in 6 Stunden. Ein ausgesprochen verantwortlicher und durchaus geschulter Anlagenbediener entschließt sich also, den technischen Teil zu übernehmen und bringt die Anlage erfolgreich wieder ans Laufen.

War das eine gute Entscheidung? Aus unmittelbar unternehmerischer Sicht durchaus.

Und zumindest ist es ein gutes Beispiel dafür, wie man gute Mitarbeiter dazu bringen kann, sich gegen die Regeln zu verhalten.

Der Haken dabei liegt darin, dass mit diesem Verhalten die Gruppe nicht besser werden kann. Hätte die Linie 6 Stunden gestanden, wäre ein gutes Management am nächsten Morgen zu der Entscheidung gekommen, dass eine grundsätzliche Änderung/Verbesserung erforderlich ist. (Zum Beispiel Befähigung von Anlagenbedienern oder Mechanikern in der Nachtschicht)

Standard Work wird direkt unmöglich, wenn Menschen sich nicht an Prozessregeln halten. Denn: Wenn die Gruppe die bestehenden Prozessregeln nicht ernst nimmt, dann fällt zunächst gar nicht auf, dass die Regeln Verbesserungsbedarfe aufweisen. Zweitens: Wer sich nicht an die bestehenden Regeln hält, der wird auch nicht die neuen, verbesserten Regeln befolgen.

Für Standard Work und systematische Verbesserung ist eine Mindestbereitschaft erforderlich, sich an Regeln zu halten. Sonst arbeitet jeder weiterhin nach seinem besten Wissen und Gewissen. Natürlich ist das Gewöhnungssache, nein, Kultur.

Wir bezeichnen das Arbeiten nach festgelegten Regeln als „Disziplin“. Das bedeutet natürlich nicht, dass man für alles Regeln braucht. Als Führungskraft entscheide ich, was Mitarbeiter selber entscheiden dürfen und wo nach Regel gearbeitet werden muss.

Das ist die Basis für kontinuierliche Verbesserung, für Standard Work, für Qualität, für übergreifende Effizienz.

Fazit: Es ist eine vordringliche Führungsaufgabe dafür zu sorgen, dass es nur Regeln gibt, die man einhalten muss. Kann-Regeln werden entweder außer Kraft gesetzt oder zu Muss-Regeln. Die natürlich vorgelebt werden müssen.

Wie man Disziplin und Regeln installiert, darum geht es in unserem nächsten Beitrag.

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