Spannende Diskussion rund um Overall Equipment Effectiveness / Gesamtanlageneffektivität – Offener Roundtable am 11. Feb

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Ziemlich verführerisch!

OEE ist eine komplexe Kennzahl, in die viele Faktoren einfließen. OEE kann die stündliche Performance von Schichten einer Linie abbilden und auch die Performance des ganzen Werks. Achtung: Falle! Was meinen wir mit Performance?

OEE zeigt uns ausschließlich, wie gut die Anlagen laufen. Die Ausbringung der Anlagen wird durch viele Faktoren beeinflusst: Qualitätsprobleme, das Material ist nicht bereit, Personalplanung, Koordination der Supply Chain, Pausenüberbrückung, Ausbringungsraten, Wartungsstrategie, technische Störungen, …
OEE zeigt also viel vom Werk.

Sind wir zufrieden mit dem Werk, wenn OEE hoch ist?

Wahrscheinlich nur, wenn

  • Kunden wunschgemäß beliefert werden können,
  • die Lager nicht überquellen und
  • Personalkosten im Rahmen bleiben.

Und dies zeigt uns OEE nicht.

OEE macht blind

Wenn man nur OEE im Auge hat, kann man beispielsweise die Personaleffizienz aus den Augen verlieren. Sie fließt in den OEE-Wert überhaupt nicht ein, ist aber ein wichtiger Kostenfaktor im Werk. Die Anlage läuft wie am Schnürchen, aber trotzdem macht man Miese. Denn da stehen/ rennen/ ruhen vielleicht jetzt doppelt so viele Leute an der Linie.

Zu viel Fokus auf OEE führt oft dazu, dass Rüstwechsel eingespart werden. Das bedeutet größere Lose, längere Kampagnen und wir können leider nicht die Kunden beliefern, da das Falsche produziert wurde. Aber davon jede Menge!

Was ist das Ziel?

Produzieren 24/7 was das Zeug hält? Hauptsache viel? Oder soll die einzelne Anlage dann effizient sein, wenn sie läuft? Je nachdem sollte man entweder mit OEE 1 arbeiten oder mit OEE 2.

OEE 1: Für Bottle-Neck Equipment. Wenn man alles sofort verkaufen kann, was man produziert.

OEE 2: Damit das Equipment effektiv läuft, wenn es geplant ist.

Ein guter oder ein böser OEE? Größer als 80% sollte er schon sein

Nein! Schauen wir auf zwei baugleiche Linien: Linie 1 läuft mit einem Produkt, wenig Reinigung, kaum Umbauten. Die andere produziert 20 verschiedene Produkte in 150 Varianten. Dieses Produktionskonzept kann sehr sinnvoll sein. Naturgemäß wird an Linie 2 erheblich mehr Zeit gerüstet und gereinigt. Wer würde die beiden Linien auf dieser Basis ernsthaft anhand des OEEs vergleichen wollen? Möglicherweise zeigt  ein OEE von 80% an Linie 1 mehr Verbesserungspotenzial auf als ein OEE von 30% an Linie 2. Das hängt davon ab, worin die Verluste tatsächlich begründet sind.

Mit Werken verhält es sich kaum anders. Nur wenn Produktmix, Kundenbedarfe, Produkthaltbarkeit, Herstellkosten und Lagerkapazitäten vergleichbar sind, zeigt uns der  OEE die wirkliche Anlagen-Performance.

Führt OEE-Verbesserung automatisch zu Kosteneinsparungen? Oder zu einem besseren Service Level?

Wenn die Anlageneffektivität steigt, wenn die Anlage pro Zeiteinheit also mehr produziert, dann kann das zu Kosteneinsparungen führen. Die Kosten für die Anlagenlaufzeit, also die gesamten Produktionskosten, können auf mehr Produkt umgelegt werden.

Das gilt allerdings nur, wenn

  • nicht gleichzeitig die Personalkosten steigen,
  • zusätzliche Kosten für Wartung, Ersatzteile, Technik sich rechnen,  
  • zusätzliche Lagerkosten nicht durch die Decke gehen und
  • vor allem das, was zusätzlich produziert wurde, auch verkauft wird und nicht als Ausschuss bilanziert werden muss.

Und wie wirkt sich OEE auf den Service Level aus? Wenigstens hier eine automatische Verbesserung?

  • Ist die Situation so, dass insgesamt mehr produziert werden muss, um Kunden beliefern zu können? Dann ist eine OEE Verbesserung sinnvoll für den Service Level.
  • Sind schon heute häufiger fertige Produkte am Lager, aber eben nicht die richtigen? Wenn der OEE verbessert wird, indem man Rüstwechsel vermeidet, dann wird sich der Service Level eher noch weiter verschlechtern.

So viel wenn und aber… was geht immer?

OEE ist eine gute Kennzahl für das Verbesserungsmanagement!

OEE kann man gut nutzen, um Verbesserung an den Linien zu messen und zu managen. Unabhängig, ob man bei 20% oder bei 80% startet: Der Trend ist wichtig und zeigt, wie gut das Verbesserungsmanagement an den Anlagen läuft.

Dabei hilft es, jeden der 3 einzelnen Faktoren zu betrachten: Qualität, Anlagenverfügbarkeit und Ausbringungsrate. Denn diese beeinflussen sich auch gegenseitig. Zum Beispiel kann eine gesteigerte Ausbringungsrate zu Lasten der Qualität gehen oder zu mehr Kurz-Stopps führen.

In Kombination mit gut ausgewählten weiteren Kennzahlen entwickelt OEE das Werk zielorientiert weiter. Z.B. für Lieferfähigkeit & Kosten kann man gleichzeitig mit OEE und Service Level arbeiten. Wenn sich die Anzahl der SKUs verdoppelt und OEE nur unwesentlich vermindert ist, dann ist das ein gutes Ergebnis.

Weiteres Interesse?

OEE eröffnet viele Chancen, birgt aber auch viele Möglichkeiten für Missbrauch. Finden Sie mehr zum Thema OEE auf unserer Webpage: https://www.oconsulting.com/de/erfolg-mit-oee/

Vielleicht wollen Sie bei einem unserer nächsten Roundtables teilnehmen? Die nächsten Termine hier: https://www.oconsulting.com/de/events-austausch/

Unsere Roundtables finden derzeit online statt und sind kostenfrei.

Wenden Sie sich gern an uns mit Fragen und Diskussionsbedarf!

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